Chronik

Betriebsfeuerwehr

ÖBB Werk St. Pölten

 

Feuerwehrchronik


 

 

Bereits bei den k.k. Staatsbahnen wird dem Brandschutz und der Brandbekämpfung stets ein besonderes Augenmerk gewidmet.
Im April 1907, noch vor der offiziellen Betriebseröffnung am 01.Mai 1907, wurden der Werkstätte St. Pölten verschiedene Feuerlöschgeräte aus dem Stande der Werkstätte Wien West zugewiesen. Da mit der schrittweisen Vergrößerung des Betriebes auch die Brandgefahren merklich anstiegen, wurde natürlich der Ruf einer organisierten Werksfeuerwehr immer lauter.
Am 01.Mai 1920 wurde auf Wunsch der Werksleitung im Einvernehmen mit der Direktion eine Werksfeuerwehr gegründet. Die erste Gerätschaft 3 Handdruck-Karrenspritzen, 1 Fahrbahre Schiebeleiter (12m) und 4 Hackenleitern. Diese Geräte wurden auf zwei gekuppelten Güterwagen untergebracht, die auf einem Endgleis abgestellt waren.
Am 26 Februar 1925 kam es zu einer Brandkatastrophe in der Lackiererei des Wagenbaues. Auf Grund dieses Brandes wurde der gesamte Brandschutz unserer Werkstätte neu organisiert.
Die Werksfeuerwehr wurde in Bereitschaftsgruppen eingeteilt, von der jeweils eine in der dienstfreien Zeit im Werk anwesend ist und durch Kontrollrundgänge das entstehen größerer Brände verhindern soll. Außerdem waren noch weiterhin 3 Nachtwächter im Dienst.


1926 bekam die BTF ihre erste Motorspritze der Fa. Wilhelm Knaust.
1929 wurde unser heutiges Feuerwehrhaus erbaut.
1940 bekam unsere Wehr ihr erstes Löschfahrzeug, einen Mercedes Benz mit 400 l Wassertank.1944 Der Führer der Wehr (bis Nov. 1943) Franz SNOR wurde zum Reichsbahn-Feuerwehrführer für die Bezirke St. Pölten und Horn ernannt und musste als solcher bei Fliegerangriffen auf Bahnanlagen im genannten Bezirksbereich die notwendigen Maßnahmen ergreifen.
Der Ausrüstungs und Mannschaftsstand am 31.12 1948: 1 LF, 3 Kraftspritzen, 1 KFZ Anhänger, 6 Löschkarren, 2 fahrbare Kohlensäurelöscher, 2 fahrbare Schaumlöscher, 50 Gasmasken mit Filter, 1 Magirus Leiter 24m, 3 Steckleitern 4 teilg, 1 Schiebeleiter 2 teilig, 1 Anlehnleiter, 2 Hackenleitern, 90 Hydranten, 4 Löschbrunnen, 8 Kübelspritzen, 110 Handfeuerlöscher, Feuermeldanlage, Sirenenalarmierung in den Hallen, 2910m C- und 1460m B Druckschläuche. Der Mannschaftsstand betrug 55 Mann.

Am 06.12.1962 kam es nach Auftauarbeiten im Dachstuhlbereiches des Domes zu einem folgenschweren Brand. Der ganze Abschnitt St. Pölten - Stadt stand im Einsatz. Unsere Wehr zusammen mit weiteren 4 Feuerwehren hatten die Aufgabe den Brand von der Südseite aus zu bekämpfen.
1967 wurde ein 3. Pressluftatmer angeschafft.
1970 bekam die Betriebsfeuerwehr die Erlaubnis, den VW Werksbus mitzubenützen.
1974 wurde das alte LF15 nach 35 Jahren ausgemustert.
1982 wurde unter FKDT OBI Ing. Josef Burger ein TLF 1000 angeschafft.


Der Einsatzbereich (Werksgelände) erstreckt sich über ca.25ha.

 

 

Größte Brandkatastrophe in unserem Werk

 

Vor 80 Jahren, am 26. Februar 1925, kam es zu einem der  größten Brände in unserem Werk.

 
 

Gegen 0130 Uhr  hörte ein Heizer des Kesselhauses mehrfache Detonationen (von Eternitplatten), die er für Schüsse hielt. Er ging dem Geräusch nach und fand das Innere der Lackierwerkstätte (Wagenbau) im Vollbrand. Er eilte sofort ins Kesselhaus zurück, gab Alarmzeichen mit einer Dampfsirene und versuchte, den in der Werkstätte befindlichen Nachtwächter zu verständigen. Warum die städtischen Feuerwehren erst um 0220 Uhr, also 50 Minuten nach der Entdeckung des Brandes, verständigt wurden, musste eine gerichtliche Untersuchung klären.

Der gesamte Brandbericht aus Sicht und Feder des damaligen Feuerwehrhauptmann Friedrich Sommer von der FF St. Pölten liest sich fast wie ein Krimi.

Die Alarmierung lief total schief. Die Zufahrt zum Brandobjekt gestaltete sich auf Grund der schlechten Straßenverhältnisseim Werk äußerst schwierig. Das Hydrantennetz war zu schwach und die drei vorhandenen Brunnen waren für Löschzwecke ungeeignet. Es war Nacht und sehr starker Nebel. Auch gab es zum Zeitpunkt des Brandes aus Kostenersparnis keinen nächtlichen Bereitschaftsdienst unserer Werksfeuerwehr.

Auf die Alarmierung hin erschienen folgende 9 Feuerwehren am Brandplatz :

1.       Die FF St. Pölten, die Freiwillige Arbeiterfeuerwehr St. Pölten und unsere Werksfeuerwehr.

         Diese 3 Feuerwehren waren bis zum “Brand aus“  (ca. 1200 Uhr) im Dauereinsatz

2.       Die Freiw. Fabriksfeuer Harland und die FF Spratzern, die beide kurze Zeit von einem Hydranten aus im  Einsatz waren.

3.       Die Freiw. Fabriksfeuerwehr Gasser St. Pölten, die FF Viehofen Ost, die FF Viehofen Fabrik und die FF St. Georgen, die wegen Wassermangel nicht eingesetzt  werden konnte.

Nur den beiden Autogeräten mit Wasserfässern (TLF Vorläufer) der

FF St. Pölten (1000 Liter) und der Arbeiterfeuerwehr (Sprengwagen 5000 Liter)

gelang es, durch direktes arbeiten in den Hallen eine weitere Ausbreitung des Brandes auf den gesamten Wagenbau zu verhindern.

Die Hitzeentwicklung war so groß, dass sich die starken eisernen Längsträger der Vierachspersonenwagen bis zur Erde bogen und auch die eiserne Dachkonstruktion mit der nördlichen Außenmauer dem Brand letztlich nicht standhielten.

 
 

Das der gesamte Wagenbau kein Raub der Flammen wurde, war ein Verdienst aller im Einsatz stehenden Kräfte, die sich gegenseitig aufopferungsvoll unterstützten und unbekümmernd trotz Einsturzgefahr und Explosionen den Einsatz eigentlich Erfolgreich zu einem Ende brachten.

Bei den Löscharbeiten kam es auch zu einem schweren Unfall durch ein außer Kontrolle geratenes Strahlrohr. Der Rottenführer Hans Martinek (FF St. Pölten) erlitt durch den Wasserstrahl eine Durchtrennung der Bindehaut am rechten Auge, der Rottenführer Karl Tauscher (Arbeiterfeuerwehr) erlitt eine Nierenquetschung. Beide wurden ins Krankenhaus gefahren.

Die Wiener Berufsfeuerwehr hatte wegen Hilfeleistung angefragt, doch war zu diesem Zeitpunkt der Brand bereits unter Kontrolle und deren Einsatz nicht mehr erforderlich. Polizei und Wehrmacht unterstützten tatkräftig die Arbeiten der Feuerwehr.

Dem Brand fiel die gesamte Lackierwerkstätte (60 x 60 Meter) mit Dachkonstruktion und der nördlichen Außenmauer zum Opfer. Die in dieser halle stehenden 11 vierachs. Schnellzugwagen, 1 vierachs. Salonwagen, 7 dreiachs. und 4 zweiachs. Waggon wurden ein Raub der Flammen.

 Obwohl bei den vielen Überprüfungen immer wieder auf die unzureichende Wasserversorgung, sowie mangelhafte und fehlende Zufahrts- und Verbindungsstraßen hingewiesen wurde (zuletzt 8 Tage vor dem Brand), wurden alle Verbesserungsvorschläge von den zuständigen Dienststellen ignoriert!

Feuerwehrhauptmann Friedrich Sommer von der FF St. Pölten brachte es nach der Katastrophe mit einem Satz auf den Punkt als er feststellte:

“Wohl keine Provinzstadt Österreichs verfügt über so vollkommen ausgerüstete Feuerwehren wie St. Pölten und es ist traurig, wenn diese mit ihren leistungsfähigen Autospritzen dastehen müssen und ohne Hilfe leisten zu können, die Vernichtung von Millionen Volksgut mit ansehen müssen !“Wie heißt es so treffend? “Es muss erst immer etwas passieren, damit etwas geschieht !“Seit der Gründung unserer Wehr bis zu dieser Brandkatastrophe versah unsere Werksfeuerwehr keinen Bereitschaftsdienst (Nachtdienst).

Lediglich an Sonntagnachmittagen war ein 3 Mann starker Bereitschaftsdienst anwesend. Nachts versah nach wie vor ein Nachtwächter den Kontrolldienst. Eine Feuerwehrbereitschaft für die gesamte arbeitsfreie Zeit erschien der Generaldirektion zu kostspielig. 

Auf Grund der Brandkatastrophe wurde der gesamte Brandschutz für unser Werk neu geordnet.

Die Mannschaft der Werksfeuerwehr wurde in Bereitschaftsdienstgruppen eingeteilt, wobei die Gruppen abwechselnd tagtäglich in der arbeitsfreien Zeit im Feuerwehrhaus / Werk anwesend sein mussten und durch Kontrollgänge im gesamten Werk das entstehen von Bränden verhindern sollten.

Außerdem wurde das Hydrantennetz verbessert, Zufahrtsstraßen ausgebaut und die Wehr mit einer modernen Hochdruckfeuerwlöschpumpe sowie einer Magirusleiter (26m) aufgerüstet.

 

Kontakt

BTF ÖBB Werk St. Pölten web.oebb@gmx.at